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lestin enthoubet....

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CC BY-NC-SA 4.0

lestin enthoubet.

 

   S[ancti] Gordiani martyris. Der wart enthoubet. Do he scholte den abgot

   an betin, do spiete he an daz antlitz des abgotes.

 

   Und drizich rittere wurdin ouch gemartirit durch got.

 

   Sancti Fulgentij episcopi.

 

   Bildbeschreibung

 

   1. Das erste Bild zeigt die Enthauptung des Almachius. Der nimbierte

   Heilige liegt barfuß am Boden. Ein Folterknecht holt zu einem

   Schwertschlag aus, am Hals des Almachius sind bereits Blutspuren zu

   sehen. Über dem Heiligen erhebt sich eine Götzenstatue: ein mit Feder

   gezeichnetes, unkoloriertes Kalb auf einem Podest. Damit sind im Bild

   zwei zeitlich auseinander liegende Ereignisse zu sehen, die kausal

   miteinander verbunden sind: Almachius wird getötet, weil er dazu

   aufgerufen hat, nicht länger den Götzen zu opfern. Die Statue erscheint

   unversehrt und geradezu triumphierend neben dem hinzurichtenden

   Märtyrer. Diese verkehte Hierarchie zu korrigieren wird die Aufgabe des

   nächsten Bildes im Bildstreifen sein.

 

   2. Das Bild gehört zur Legende der Jungfrau Martina. Es stellt den

   durch das Gebet der Heiligen bewirkten Sturz einer heidnischen

   Götterstatue dar und demonstriert somit die Überlegenheit des

   Christentums dem falschen Glauben. Auf das Gebet der christlichen

   Märtyrerin antwortet Gott mit einem Wunder, das zeichenhaft alle

   Gläubigen und Ungläubigen von der Allgegenwart und der Macht Gottes

   überzeugen soll: es kommt zu einem Erdbeben, die Statue des heidnischen

   Gottes Apollo stürzt, die sie umrahmende Architektur (es handelt sich

   wohl um einen heidnischen Tempel) wird zerstört. Der thronende Kaiser

   Alexander, ein Heide, ist nun der Unterlegene: an der Zerstörung des

   Tempels offenbart sich die Macht des wahren Gottes. Das in der ersten

   Szene des Bildstreifens ins Schwanken geratene Weltbild wird hier durch

   einen göttlichen Eingriff wiederhergestellt.

 

   Auffällig ist, daß die eigentliche Protagonistin des Geschehens,

   Martina. Es stellt den

   durch das Gebet der Heiligen bewirkten Sturz einer heidnischen,

gar nicht abgebildet wird. Denkbar wäre, daß die Szene des

   Tempeleinsturzes nur ein Teil einer umfangreicheren Bilderfolge gewesen

   ist, welche dem JM (oder seiner Vorstufe) als Vorlage diente. Aus

   Platzgründen konnte sie nicht komplett in das JM übernommen werden.

   Unsere Szene wurde wahrscheinlich aufgrund der Motivkorrespondenz mit

   dem ersten Bild ausgewählt.

 

   Eine vergleichbar reflektierte, über die Grenzen einer einzigen

   Bildszene hinausgehende Bildkomposition kann lediglich für eine geringe

   Zahl der JM-Illustrationen konstatiert werden. Hier kann man sie

   allerdings umso besser nachvollziehen, da es sich um das erste Bild in

   der Handschrift überhaupt, gewissermaßen eine Eröffnungssequenz,

   handelt. Entsprechend sollte sie eine programmatische Aussage

   enthalten.

 

   3. Die dritte Bildszene gilt dem Märtyrertod der dreißig Ritter.

   Dargestellt ist der Moment nach der Enthauptung: das drastische Bild

   der von den Körpern bereits getrennten Köpfe wird durch die kaltblütige

   Ruhe des Schergen verstärkt, mit der er das Schwert vom frischen Blut

   reinigt.

 

 

 

2. Januar

 

 

   B. iiij. Nonas. Januarii

 

   Oct . sancti Stephani.

 

 Sancti Macharij .

 

   Et t[ri]um sanctorum Argei, Narcissi et Marcellini pueri. Die wurdin

   vil bitterlich geslagin, vil lange in deme kerkere verhungert und zu

   lestin an daz mer gesenkit.

 

   Bildbeschreibung

 

   Die einzige Miniatur zu diesem Tageseintrag zeigt das Martyrium von

   vier Heiligen. Konnte man noch in den Illustrationen zum 1. Januar ein

   reflektiertes Konzept erkennen, so erscheint das aktuelle Bild als eine

   verwirrende Kompilation aus verschiedenen Motiven. Im Text ist vom

   Versenken der Märtyrer im Meer die Rede. Im Bild sehen wir vier

   Personen: einen Bischof (anhand seiner Mitra als solcher zu

   identifizieren), eine Frau, und zwei tonsurierte Geistliche (vielleicht

   Mönche; ihre Tuniken lassen sich nicht eindeutig als Mönchskutten

   identifizieren, zudem ist einer mit einem roten Mantel bekleidet, der

   keiner bekannten Ordenstracht zuzuordnen ist). Alle vier befinden sich

   im Wasser und sollen offenbar durch Ertränken getötet werden. Links und

   rechts von der Heiligengruppe sind zwei Schergen abgebildet. Der eine,

   links, im braunen Kapuzengewand, erhebt mahnend den Zeigefinger. Diese

   Gebärde kann als Redegestus verstanden werden. Der Scherge rechts trägt

   ein rotes Gewand und ist nach einem geläufigen ikonographischen Muster

   als häßlicher Bösewicht im Profil dargestellt. Beide Schergen haben

   Gabeln in den Händen. Unklar ist, warum diese Requisiten im

   Zusammenhang mit einer Ertränkung auftauchen. Vielfach werden im JM

   solche Gabeln zum Schüren des Feuers bei Feuermartyrien dargestellt.

   Vermutlich sind die Figuren der Schergen unverändert einer

   Feuermartyriumsszene entnommen worden, und zwar ohne Rücksicht auf die

   dadurch entstehende Inkohärenz. Vieles spricht dafür, daß wir es hier

   mit einem für das JM oder seine Vorlage ad hoc komponierten Bild zu tun

   haben.

 

   Problematisch bleibt die Anzahl der im Wasser befindlichen Märtyrer, da

   sie nicht mit dem JM-Text zu erklären ist. Das Martyrium durch

   Ertränken im Meer trifft nur auf drei erwähnte Heilige zu, die Brüder

   Argeus, Narcissus und den Knaben Marcellinus. Nach übereinstimmender

   Auskunft lateinischer Martyrologien wurden die drei nach einer

   ausgiebigen Folter ertränkt. Der ebenfalls im Wasser abgebildete

   Bischofsheilige paßt daher nicht zum Legendeninhalt. Mit dem erwähnten

   Eremiten Makarius von Alexandrien kann er auch nicht identifiziert

   werden. Die Martyrologien des Beda (Sp. 801) und des Usuard (Sp. 605)

   verzeichnen am 2. Januar darüber hinaus den seligen Bischof und

   Märtyrer Isidor. Notker gesellt den drei Brüdern einen Bischof Philus

   bei. Vielleicht ist der im Wasser abgebildete Bischofsheilige als ein

   Relikt einer solchen Erwähnung in einer früheren Redaktion bzw. in der

   Vorlage des JM zu bewerten.

 

   Auffällig ist schließlich, daß die Heiligen ohne die üblichen

   Heiligenscheine dargestellt sind. Vermutlich steht dahinter keine

   intendierte inhaltliche Aussage, sondern ein Versehen des Malers.

 

 

 

3. Januar

 

 

   C. iij. Nonas. Januarii

 

   Oct . sancti Johannis ewangeliste .

 

  Sanct Anteros papa der wart gemartiret.

 

   Sancte Genefove virginis. Die wart von sancto Germano episcopo gote

   gebrůtet und bleib an gotis dineste acht und zwentzic iar.

 

   Bildbeschreibung

 

   1. Die erste Bildszene illustriert die von Bischof Germanus geleitete

   Zeremonie des Schleierempfanges der heiligen Genovefa von Paris.

   Germanus erscheint im bischöflichen Ornat. Er segnet die vor ihm

   kniende Genovefa, die bereits – wie ihre drei Begleiterinnen – in

   Nonnentracht und mit Schleier erscheint. Bei den in Gold

   hervorgehobenen Teilen ihrer Kopfbedeckung handelt es sich mit großer

   Wahrscheinlichkeit um die seit dem Hochmittelalter gebräuchlichen

   Weihel, die unter dem Schleier getragen wurden. Eine der Schwestern

   hält ein aufgeschlagenes liturgisches Buch, aus dem während der

   Zeremonie vorgetragen werden soll.

 

   2. Das zweite Bild ist eine Enthauptung: ein mit roter Tunika und einer

   vergoldeten Kopfbedeckung bekleideter Märtyrer kniet gebeugt vor einem

   Schergen, der bereits das Schwert über seinem Kopf schwingt. Unklar

   ist, welchem Märtyrer diese Szene gilt. Aufgrund der einfachen Kleidung

   kann der Heilige nicht mit dem erwähnten Papst Anteros identifiziert

   werden, da kirchliche Würdenträger im JM in der Regel in ihrem Ornat

   abgebildet werden.

 

   Auffällig ist, daß die Heiligen ohne die üblichen Heiligenscheine

   dargestellt sind.

Personen15
• Anteros, Papst
• Argäus, Heiliger
• Fulgentius, Claudius Gordianus
• Germanus, Parisiensis
• Gordianus, Heiliger
• Isidor von Antiochia, Heiliger
• Johannes, Evangelist, Heiliger
• Macarius, Alexandrinus
• Marcellinus, Heiliger
• Martina, Heilige
• Narcissus, Heiliger
• Phileas, Thmuitanus
• Sancte Genefove virginis
• Stephanus, Heiliger, Biblische Person
• Telemachus, Heiliger

Zitierhinweis:

Anmerkung:
Martyrologium: lestin enthoubet...., http://martyrologium.editionenportal.de/index.php?id=395&no_cache=1&tx_jomuseo_pi1009%5BjoDetailView%5D=marty_0002&tx_jomuseo_pi1009%5Bjopaginatepage%5D=1&tx_jomuseo_pi1009%5Bbrowse%5D=1&tx_jomuseo_pi1009%5Baction%5D=detailobject&tx_jomuseo_pi1009%5Bcontroller%5D=Museo, 01.12.2021.

Metadaten:

Titel:
lestin enthoubet....
Alternative Titel:
Jenaer Martyrologium - 0002
Objekttyp:
Handschriften

weitere Metadaten:

Datierung (individuell):
2. Januar
3. Januar
Projektklassifikation:
Martyrologium
Seitenbereich:
0002
Besitzende Institution / Datengeber:
Friedrich-Schiller-Universität Jena/Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena
Übergeordnetes Objekt: